Redebeitrag zum Thema "Lärmsanierung Deutsche Bahn - Strecke 3557 Darmstadt - Babenhausen, Abschnitt Münster - Altheim"

Es gilt das in der Sitzung der Gemeindevertretung gesprochene Wort!
Selten ist uns eine Entscheidung so schwergefallen wie bei der Lärmschutzwand der Deutschen Bahn!
Auf der einen Seite gibt es gute objektive Gründe für den Lärmschutz, da er auf Dauer nachgewiesenermaßen gesundheitsschädlich ist, auf der anderen Seite gibt es ebenfalls einige subjektive Gründe gegen eine solche Wand.
Die FDP-Fraktion hatte in der Zeitung und in den sozialen Medien darum gebeten, uns eigene Meinungen zur Lärmschutzwand mitzuteilen. Die Resonanz war beeindruckend, vielen Dank an unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger für alle Rückmeldungen!
Aus Altheim haben wir viel positives Feedback erhalten, sodass uns hier die Entscheidung relativ leichtfällt. Darum kann ich hier schon sagen, dass wir der Maßnahme für Altheim zustimmen werden.
Für Münster war das geäußerte Meinungsbild deutlich dagegen, wenngleich auch etliche Rückäußerungen mit guten Begründungen für die Wand sprachen.
Interessant fanden wir übrigens auch, dass sogar Unterschriften aus Dieburg und nicht durch Zuglärm betroffenen Wohngebieten von Münster gegen die Wand gesammelt wurden. Das verstärkte für uns den Eindruck, dass es bei den Gegenstimmen im Wesentlichen um die Optik geht.
Was waren die häufigsten Argumente, die uns erreicht haben?
- Der schöne Blick in die Natur und auf den Wald südlich der Bundesstraße 26 geht verloren.
- Grafitti wird sehr schnell die Wand verschandeln.
- Der Lärm ist gar nicht mehr zu hören oder der Lärm ist gar nicht so schlimm.
- Der Lärm wird durch die Wand auf die entgegen gerichtete Seite reflektiert und damit dort noch schlimmer.
- Die Züge werden immer leiser und damit der Sinn der Wand in den kommenden Jahren nicht mehr gegeben sein.
Aber auch:
- Der Zuglärm nimmt in letzter Zeit eher zu als ab.
- Nachts kann man kaum bei offenem Fenster schlafen.
- In den Sommermonaten ist der Geräuschpegel im Garten hoch und störend
- und last but not least, die nachweislich gesundheitsschädliche Auswirkung durch die Lärmbelastung.
Schauen wir uns einige der Argumente genauer an:
- der Lärm ist doch gar nicht schlimm.
Es gibt viele Studien unter anderem von der WHO und dem Umweltbundesamt, dass Geräusche langfristig gesundheitsschädlich sind, auch wenn sie nicht als Belästigung wahrgenommen werden. Dazu gehören: Schlafstörungen, erhöhtes Stressniveau, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Beeinträchtigungen des Immunsystems. - Der Lärm wird durch die Wand in die entgegengesetzte Richtung verstärkt.
In der Bürgerversammlung letztes Jahr konnten wir erfahren, dass dies genau bei den Lärmschutzwänden der Deutschen Bahn nicht der Falls ist. - Die Züge werden immer leiser
Das stimmt! - Für Züge der Deutschen Bahn!
Leider stimmt da nicht für Züge aus dem Ausland. Hier ist der Gesetzgeber gefordert Bestimmungen nachzuschärfen. Das liegt aber nicht in unserer Hand. Solange das nicht geschieht, bleibt das Problem leider bestehen.
Aber wenn irgendwann alle Züge leiser sind, dann wird es billiger sein, die Lärmschutzwand abzubauen, als auf Kosten der Gemeinde eine solche Wand zu errichten.
Eine für die Entscheidung wichtige Tatsache spielte bei allen Rückmeldungen keine Rolle: Das Gebiet zwischen dem Südrand von Münster und der Bahnstrecke wird im kommenden Flächennutzungsplan als Bauerwartungsland aufgeführt. Wenn wir dies in 10 oder 20 Jahren dann tatsächlich entwickeln wollen, dann muss die Gemeinde in jedem Fall eine Lärmschutzwand – dann aber auf eigene Kosten – errichten.
Die Münsterer Gemeindevertretung befindet sich heute bei ihrer Entscheidung also in einem klassischen Dilemma – also dem Zwang, sich zwischen zwei gleichermaßen zu gewichtenden Lösungen zu entscheiden.
Wir sind als Kommunalpolitiker für eine Legislatur gewählt. Wir sind aber durch unsere Entscheidungen für deutlich mehr als nur eine Legislaturperiode verantwortlich!
Und daher haben wir die Fragestellung nicht nur vor dem Hintergrund ihrer kurz-, sondern auch ihrer mittel- und langfristigen Auswirkungen diskutiert, auch für zukünftige Generationen. Und hier kamen und kommen wir auf ein positives Saldo zu Gunsten der Lärmschutzmaßnahme.
Wir werden für die Lärmschutzwand für Münster und damit für die Gesamtmaßnahme der Deutschen Bahn stimmen. Wir sind überzeugt, dass dies für Münster die richtige, weil langfristige bessere Entscheidung ist.